China klagt für Raubkopien von Microsoft Software
ProXy | 24. Oktober 2008
Falls sich jemand über das Wort “für” in der Überschrift wundert, so kann ich bestätigen, dass dieses beabsichtigt ist. Mit Hilfe des Programms Windows Genuine Advantage Notifications hatte Microsoft am vergangenen Dienstag zum Rundumschlag gegen raubkopierte Versionen von Windows XP und Office in China ausgeholt. Jeder Rechner, auf dem eine nicht lizensierte Version installiert war, zeigte daraufhin nur noch einen schwarzen Bildschirm. Dieser Zustand kann zwar wieder rückgängig gemacht werden, allerdings tritt dieser Bildschirm jede Stunde erneut auf. Zusätzlich wird ein Hinweis auf eine raubkopierte Version in der Taskleiste angezeigt. Erst nach 45 Tagen deutlicher Hinweise, beendet sich die Aktivität der Software wieder. Laut Aussage von Microsoft soll damit aber lediglich informiert und nicht die Arbeit am Computer gestört werden.
China hat bei der Aktion von Microsoft allerdings das Lachen verloren: Angeblich sind auf 90% aller Rechner in China Windows XP bzw. Office installiert – nur die wenigsten davon allerdings legal. Ein chinesischer Anwalt hat daraufhin Klage gegen Microsoft eingereicht, da seiner Meinung nach ein unberechtigter Zugriff auf seinen Rechner stattgefunden hat. Weiterhin bezeichnete er den Software-Riesen aus Redmond als den “grössten Hacker”. Ferner kritisierte auch die China Software Industry Association (CSIA) das Vorgehen von Microsoft. In einer Umfrage stimmte ein Grossteil der Chinesen für einen Boykott von Microsoft Produkten, andere schlugen auch vor, dass China selber mehr Software entwickelt.
Inwischen meldete sich auch Microsoft zu dieser Aktion zu Wort, um einige Missverständisse zu klären. Durch die Software würden keine persönlichen Daten des Nutzers gesammelt werden, um deren Privatsphäre nicht zu gefähren.
Mir ist bislang allerdings noch immer nicht klar, wieso Microsoft erst so spät und in meinen Augen zu harmlos eingreift. Es wäre doch ein Leichtes gewesen, Raubkopien schon vor Jahren stärker einzudämmen und somit mehr lizensierte Software zu verkaufen. Auch die Tatsache, dass Microsoft den Anwender mit raubkopierter Software weiterarbeiten lässt, ist in meinen Augen ein viel zu mildes Vorgehen. Wenn es sich um von mir entwickelte Software handeln würde, wäre es mir eine Freude, diese überall dort zu zerstören, wo nicht dafür bezahlt wurde..

